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19.10.2017: Karies

dasBACH

KARIES Mit ihrem ersten Release auf Kassette »Fun ist ein Stahlbad«, führten KARIES ein Adorno-Zitat in die Popkultur ein, das doch eigentlich schon Anfang der 1980er auf eine Plattenhülle gedruckt gehört hätte. Sie hatten offensichtlich verstanden, was Adorno damit meinte, und lieferten eben keinen abhärtenden Fun, sondern kompromisslose, aber im Gegensatz zum verhöhnenden Spaß eben – gerade wegen des lauten Neins zu den gesellschaftlichen Zuständen – mitfühlende Musik. Die insgesamt vierköpfige Band macht allerfeinste angry young man Music zwischen düsterer Früh-1980er-New Wave bzw. NDW und Früh-1990er Diskursrock. Den RetroVorwurf müssen sich Karies zudem nur auf musikalischer Ebene gefallen lassen, denn anders als sonst transportieren sie die mit dieser Musik verbundene Haltung mit und stellen sie in aktuelle Kontexte. Kein Hauch von Nostalgie hier, nichts, das wärmt. Bei Karies passt alles zusammen, von der unterkühlt-freundlichen Bühnenpräsenz bis zur druckvollen, dunklen Musik und den schroffen, deutschsprachigen Texten, die knapp, direkt und dringlich vorgetragen werden. Ende 2016 erscheint das neue Album »Es geht sich aus«. Es groovt auf eine störrische Art und Weise vor sich hin, wie man es aus frühem Noise Rock US-amerikanischer Prägung kennt oder aus den deutschen Post-Punk-Pionier-Kreisen, aus Berlin oder Hamburg 1980. Die Nervosität und Spannung befindet sich direkt unter der Oberfläche und die Band scheint beinahe zu platzen. Der Gesang ist noch minimaler als zuvor, aber auch melodischer in seinen Fragmenten. Man kann sich Karies vorstellen als den gemeinsamen Cousin von Die Nerven und Human Abfall, man kann aber auch eine Menge anderer Einflüsse ausmachen, No Wave von Sonic Youth und den Swans in ihren Frühphasen, oder auch Abwärts. Dieser repetetive, stumpfe Beat, ein Basslauf, der sich einfach nicht mehr ändern will, ein schrammeliger Gitarrenlärm, der spröde und schön zugleich ist. VVK 10 € (zzgl. Gebühren) AK 12 €